Wir sind auf dem Weg von Hualien nach Ruifang – unsere vorletzte Station in Taiwan, bevor wir am Ende nochmals nach Taipei (hier klicken, um den Reisebericht über Taipei zu lesen) zurückkehren. Ruifang liegt im Nordosten Taiwans und ist nur noch eine Stunde von der Hauptstadt entfernt. An sich gibt es in der kleinen Stadt mit 40 000 Einwohnern nicht sehr viel zu sehen, aber wir wählen sie als Ausgangspunkt zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Dazu zählt das kleine Bergdorf Jiufen, welches plötzlich im In- und Ausland berühmt wurde, wie auch die Pingxi Railway Line. Dabei handelt es sich um eine alte Eisenbahnlinie, auf der in früheren Zeiten Kohle transportiert wurde. Heute fahren nur noch Touristen mit der Eisenbahn und in den romantischen Dörfern wie Houtong, Shifen oder Pingxi, die man damit passiert, gibt es so einiges zu entdecken. Dazwischen tuckelt man an satter, grüner Natur und Bergen vorbei.

Anreise Ruifang

Gut, dass wir schon vormittags zum Bahnhof gehen, um uns nach Tickets zu erkundigen und diese nicht ganz spontan, wie sonst, kurz vor Abfahrt kaufen. Die Strecke Hualien nach Taipei, auf der auch Ruifang liegt, ist nämlich bei Reisenden sehr beliebt. Für unseren „Wunschzug“ bekommen wir somit gar keine Fahrkarten mehr und müssen einen früheren Zug nehmen. Das bedeutet im Schnelltempo auschecken, Geld abheben (zumindest versuchen wir es, denn der Geldautomat funktioniert nicht) und von den paar letzten Groschen Essen kaufen.

Kurze Zeit später sitzen wir schon im Zug, der uns 364 Taiwanesische Dollar (10, 40 Euro) pro Person kostet und haben eine zweieinhalbstündige Zugfahrt vor uns. Dabei bietet sich uns wieder ein wirklich schönes Panorama.

Info: Auch von Taipei fahren täglich mehrere Züge und Busse nach Ruifang. Viele Reisende kommen für einen Tagesausflug hierher und besichtigen die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Ruifang

Unsere Zugtickets für die Fahrt von Hualien nach Ruifang.

Ruifang

Ankunft am Bahnhof in Ruifang.

Der Vorfall mit dem Hostelbesitzer

In Ruifang angekommen, suchen wir uns ein Café mit WLAN, da wir nicht genau wissen, wie wir zu unserem Hostel kommen. Der Inhaber des Cafés ist sehr nett und erklärt uns, wo wir hin müssen. Zudem informiert er uns darüber, dass der Besitzer des Hostels nicht immer vor Ort sei. „Ich rufe ihn an und sage ihm, dass ihr bald kommt.“ Nach zig Versuchen hat er ihn dann endlich erreicht und wir machen uns auf den Weg zur Unterkunft.

Ein „etwas“ ungewöhnlicher Ablauf des Eincheckens

Zehn Minuten später klingeln wir. Ein lautes Poltern ertönt. Ein Taiwanese, Mitte 30, öffnet die Tür. Kein Hallo. „Was wollt ihr?“, will er wissen. Sieht irgendwie nicht begeistert aus der Typ. Kurzer Blick zum Schild des Hostels. Sind wir denn richtig? Ja, eindeutig.

„Ähm naja, einchecken? Wir haben gebucht?“

Erstmal Stille und dann geht es los: „Warum weckt ihr mich bitte auf!? Warum will jeder etwas von mir?? Warum ruft mich jeder an??? UM 16.00 UHR IST CHECK IN!!! UND ES IST NOCH NICHT 16.00 UHR!!! (Achja, ups, 16.00 Uhr ist es ja erst in fünf Minuten!) Ich kann nicht schlafen, wenn mich jeder aufweckt und ich muss schlafen und überhaupt und sowieso.“

Erstmal denken wir uns, dass er das alles nur im Spaß sagt, denn in Taiwan ist uns sowas ja noch nie passiert. Wir versuchen, seinen Humor zu verstehen, aber irgendwann merken auch wir, dass er das jetzt todernst meint.

Wir warten also noch zwei Minuten bis 16.00 Uhr, damit der Arme noch ausschlafen kann und dann dürfen wir einchecken. Und siehe da, zwei Minuten Schlaf haben wohl wirklich etwas bewirkt, denn tatsächlich ist er jetzt überaus freundlich.

Der dringend benötigte Schlaf des Inhabers

Bei einem klärenden Gespräch informiert er uns darüber, dass er jede Nacht wach sei und erst um 7.00 Uhr morgens ins Bett gehe (warum auch immer). Deshalb müsse er dann den ganzen Tag schlafen. Hat man bereits im Hostel eingecheckt, so kommt man zwischen 9.00 und 16.00 Uhr also auch nicht rein. Schlüssel gibt es nämlich nicht.

Außergewöhnlicher Besitzer, außergewöhnliches Hostel

Radioübertragung, live aus dem Hostel

Wir wollen mal nicht so sein, nehmen seine Entschuldigung an und verbringen trotz allem einen wirklich schönen Abend in dem Hostel. Ab 21.00 Uhr hat der Besitzer immer eine eigene, kleine Radioshow. Er singt dabei (echt gut) taiwanesische wie auch englische Lieder, spielt Keyboard (davon hat er über 20) und interagiert mit seinen Gästen. Mit von der Partie ist auch ein Chinese aus Hongkong, der in 50 Tagen einmal um ganz Taiwan gelaufen ist. Was es nicht alles gibt. 😀

Alle werden nach Liedern aus dem Heimatland gefragt, die dann dazwischen eingespielt werden. Und somit kennen die Taiwanesen jetzt auch 99 Luftballons von Nena, Atemlos von Helene Fischer und Applaus, Applaus von den Sportis. Solltet ihr in Taiwan berühmt werden, so bedankt euch bitte bei uns. 🙂

Ruifang

Radioübertragung, live aus dem Hostel.

Ruifang

In dieser Runde verbringen wir einen schönen Abend. Peace. 🙂

Warum das Hostel irgendwie gar kein Hostel ist

Achja, war das nicht schon genug an Überraschungen, so ist das „Hostel“ an sich auch noch eine Überraschung. Es ist einfach nur ein langgezogener Schlauch. Kommt man von der Eingangstür herein, so steht man in einem Gang mit etwa 14 Betten, die wie Schuhschachteln angeordnet sind und mehr Schlafkapseln als Betten ähneln. Dahinter hat der Besitzer seine „Wohnung“ (Sofa, Kochplatte, Tisch, Spiegel) und danach gelangt man zu den Toiletten und Duschen. Bilder beschreiben hier mehr als Worte.

Ruifang

Und so sieht das dann aus.

Ruifang

Dahinter gleich die „Wohnung“ des Besitzers und die sanitären Anlagen.

Umzug in eine andere Unterkunft

Da uns die Unterkunft trotz allem ein bisschen zu verrückt ist, wir auch tagsüber an unsere Sachen kommen wollen und uns zumindest nach ein paar Sitzgelegenheiten sehnen, beschließen wir am nächsten Tag in ein anderes Hostel umzuziehen.

Zu Fuß sind wir dort, Gott sei Dank, schon nach zehn Minuten. Das Wetter ist nämlich, genau wie gestern, ziemlich nass, kalt und grau.

Bei der neuen Unterkunft scheint noch keiner wach zu sein. Da ist alles verschlossen. Wir machen es uns auf den Treppenstufen davor bequem und … frühstücken erstmal. Von den vorbeilaufenden taiwanesischen Omis werden wir verwundert angeschaut, als wir unsere Haferflocken, Bananen und Milch auspacken.

Kurze Zeit später kommt auch schon die Besitzerin und öffnet uns die Türen zur warmen Stube. Naja, mehr oder weniger warm. Mit Dämmen ist hier nicht so viel und wenn es dann mal kalt ist, dann ist es halt einfach kalt.

Ruifang

Erstmal gemütlich frühstücken.

Ruifang

In der zweiten Unterkunft gibt es wenigstens einen Aufenthaltsraum. Allerdings ist es darin kalt.

Aufwärmen vor unserem Ausflug nach Jiufen

Aufwärmen funktioniert im Hostel also nicht. Somit schnappen wir uns unsere Laptops und flüchten ins nächste Café, wo das schon besser klappt. Nachdem uns warm genug ist und wir eine paar Dinge erledigt haben, machen wir uns am Nachmittag auf in das kleine Bergdorf Jiufen. Über die Tour dorthin folgt in kurzer Zeit ein gesonderter Bericht.

Was es sonst so in Ruifang zu tun gibt

Wie oben bereits geschrieben, gibt es in Ruifang selbst nicht sehr viel zu tun. Trotzdem fühlen wir uns wohl hier. Es ist einfach schön, zur Abwechslung mal in einer kleinen Stadt zu sein. Außerdem sind wir so gut wie die einzigen Touristen, die dort übernachten.

Morgenmarkt

Besonders gut gefällt uns der kleine Morgenmarkt, über den wir spazieren. Hier werden von Gebäck bis hin zu Gemüse, Obst und Klamotten noch viele weitere Sachen angeboten und die Standbesitzer machen lautstark Werbung für ihre Waren.

Ruifang

Regenwetter beim Morgenmarkt in Ruifang.

Ruifang

Auch frisch gehacktes Fleisch kann hier direkt an der Straße gekauft werden.

Foodcourt

Am Ende der Hauptstraße, zu der links und rechts Essensstände stehen, befindet sich ein Foodcourt. Das ist eine Halle mit noch viel mehr Essensständen. Man kann sich wunderbar durch die taiwanesischen Spezialitäten probieren und es gibt auch genügend Sitzgelegenheiten dort. Und: ES IST WARM!!!

Ruifang

Der Foodcourt in Ruifang.

Ruifang

Darin befinden sich viele verschiedene Essensstände wie auch Sitzgelegenheiten.

Taiwanesische Burger – Gua Bao

Nicht im Foodcourt, aber dafür an der Hauptstraße davor findet man einen kleinen Stand, wo taiwanesische Burger, Gua Bao genannt, verkauft werden. Es sind die besten, die wir in Taiwan probiert haben. Optisch und geschmacklich zwar nicht mit gewöhnlichen Burgern zu vergleichen, aber ein wirklicher Genuss.

Ruifang

Hier wird gerade der taiwanesische Burger zubereitet.

Die Pingxi Railway Line

Nachdem es an unserem dritten Tag in Ruifang nur geregnet, geregnet und nochmals geregnet hat, verschieben wir den Ausflug mit der Pingxi Railway Line nach Houtong und Shifen auf den vierten Tag unseres Aufenthalts. Auch darüber gibt es in Kürze einen gesonderten Artikel.

Nach unserer Tour mit der Railway Line geht es dann am Abend mit dem Zug zurück nach Taipei.

Hier findest du unseren umfassenden Reisebericht über Taipei mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (klicken).

Von | 2018-01-17T12:15:32+00:00 Januar 17th, 2018|Asien, Reiseberichte, Reiseziele, Taiwan, Travel|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.