Langsames Reisen – Warum Sightseeing nicht alles ist!

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Wer kennt das nicht, kaum hat man sich für ein Reiseziel entschieden, fängt man schon voller Neugier an zu planen, was man unbedingt sehen möchte. Doch ist der alleinige Sinn einer Reise wirklich, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abgegrast zu haben?

 

Vom Zwang alles „Wichtige“ zu sehen.

Was für ein wunderschöner Urlaubstag! Die Sonne scheint und es geht ein leichter, angenehmer Wind. Du fühlst dich einfach wohl in deiner Haut und freust dich auf den Tag, als du bereits recht früh am Morgen das Hotel verlässt und dich auf den Weg zu deinem ersten Ziel für heute machst. Allzu sehr trödeln darfst du jedoch nicht, schließlich hast du nur ein paar Tage für diese Stadt und am liebsten würdest du einfach alles sehen. Natürlich ist dir klar, dass man eine Großstadt nicht innerhalb einer Woche vollständig erkunden kann, daher hast du dir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten herausgeschrieben, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen möchtest. Vor deiner Abreise hast du dir noch ein paar Tipps von Freunden und Bekannten geben lassen, damit du nicht völlig planlos bist. Die Liste ist jetzt zwar etwas länger als gedacht, aber du bist zuverlässig, dass du das alles unterbekommen wirst. Schließlich möchtest du ja mitreden können und alles „Wichtige“ gesehen haben. Also auf gehts! Beine in die Hand und los!

 

Abseits der Menschenmengen

Die Zuversicht, alles auf deiner Liste abhaken zu können, hält genau so lange an, bis dir schmerzhaft bewusst wird, dass nicht nur du auf die Idee gekommen bist, diese Sehenswürdigkeit zu besuchen. Je näher du kommst, desto mehr versetzt dich die Menschenmenge in Staunen, die davor steht. Es hat sich sogar eine Warteschlange gebildet, in der die Menschen sich bereits ungeduldig drängen. Schon verlässt dich ein Stück weit der Mut. Die Zeit in einer Schlange zu stehen, hast du bei der Planung deines Tages nicht bedacht. Und eigentlich ist dir der Tag dafür auch einfach zu schade. Daher beschließt du, später wiederzukommen. Zum Glück ist der nächste Punkt deiner Liste nicht weit von hier, also warum nicht einfach die Reihenfolge ändern. Spätestens jedoch beim Anblick der dritten drängenden Menschenmasse an diesem Tag wirst du entweder kapitulieren und dich einreihen oder du beschließt, den schönen Tag anders zu verbringen. Während du deinen Gedanken nachhängst und versuchst neue Pläne zu schmieden, läufst du einfach durch die Gassen. Abseits der großen Menge fühlt es sich doch gleich viel besser an. Als du deinen Blick nach vorne richtest, wird dir plötzlich bewusst, wie schön und interessant es hier ist! Wie kommt es, dass das sonst noch keinem aufgefallen ist?

 

Einfach treiben lassen und genießen

Überrumpelt von der Erkenntnis beschließt du, einfach weiterzulaufen. Mal schauen, was es hier zu sehen gibt. Du genießt es, dich wieder frei bewegen zu können, ohne ständig jemandem im Bild zu stehen und unfreundlich weitergeschoben zu werden. Du fühlst dich augenblicklich entspannter und fängst an, dich treiben zu lassen. Hier ein netter Gruß, da ein Abstecher in ein kleines Geschäft, das dir unter dem großen Rummel der bekannten Plätze überhaupt nicht aufgefallen wäre. Langsam bekommst du ein wenig Durst und würdest gern ein wenig die Füße ausruhen. Da siehst du schon ein sympathisches kleines Café. Wow, wie viel Mühe sich der Besitzer hier mit der Einrichtung gegeben hat! Wirklich individuell und eine willkommene Abwechslung zu den Franchise-Unternehmen, die du gewohnt bist. Bleibt nur noch die schwierige Entscheidung, ob du lieber einen Cappuccino oder doch eher einen leckeren, frisch hergestellten Fruchtsmoothie trinken sollst. Glücklich mit deiner Wahl setzt du dich schließlich auf einen der bequemen Stühle vor das Café und beobachtest die Menschen, die hier ihrem Alltagsleben nachgehen.

 

Schöne Begegnungen abseits der Trampelpfade

Da hier weniger Trubel herrscht, kommst du bald ins Gespräch mit einigen netten Leuten, die hier ihre Pause verbringen oder einfach nur mit Freunden verabredet sind. Auch der Kellner beteiligt sich gerne an eurem Gespräch. Alle sind neugierig, was du hier machst und was dich in diese Straße verschlagen hat, wo sie doch bestimmt zwanzig Minuten entfernt von der nächsten Sehenswürdigkeit liegt. Hm, diese Frage stellst du dir gerade selbst auch. Für einen Moment musst du daran denken, was du heute noch alles machen wolltest. Wenn du noch etwas sehen möchtest, solltest du jetzt schnell bezahlen und weiterziehen. Doch irgendwie kannst du dich hier nicht losreißen. Als du gefragt wirst, was du heute noch vorhast und du von deinen Plänen erzählst, machen sie große Augen. „Das alles an einem Tag?“ „Und wie willst du da noch den Tag genießen können?“ Eigentlich haben sie ja recht… Während du noch zögerst, schlagen dir ein paar der Leute vor, dir ein wenig „ihre Stadt“ zu zeigen. Sie sind stolz auf ihre Heimat und freuen sich, dir zu zeigen, was sie alles zu bieten hat. Am Ende des Tages bist du fix und fertig und gleichzeitig einfach nur zufrieden. Du hast zwar kaum einen deiner geplanten Punkte abgeklappert, doch irgendwie hast du das Gefühl, viel mehr von der Stadt wahrgenommen zu haben, als wenn du deiner Liste gefolgt wärst…

 

Das etwas andere Urlaubsfoto

Nach den Eindrücken des ersten Tages hast du beschlossen, auch die restlichen Tage einfach zu tun, wonach dir gerade ist und alles auf dich zukommen zu lassen. Du hast dir nur die wichtigsten Infos über die Gegend aus deinem Reiseführer herausgesucht und bist einfach losgezogen. Deine Reise ist ganz anders verlaufen, als du es dir von Zuhause aus vorgestellt hast. Auch wenn du vielleicht gerade einmal die Hälfte der Sehenswürdigkeiten gesehen hast, die dir wichtig waren, so hast du doch nicht das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Nach deiner Rückkehr bist du bereits ganz gespannt auf deine Urlaubsfotos. Während du dich durchklickst, wird dir bewusst, dass nur wenige den typischen Urlaubserinnerungen entsprechen. Stattdessen findest du Bilder von vielen Menschen, die du kennengelernt hast, von der Poolparty eines deiner neuen Bekannten, vom Lagerfeuer am Strand, von verträumten Ecken und kleinen Gässchen, durch die du gelaufen bist. Was für wertvolle Momente du erleben durftest, wird dir noch mehr bewusst, als deine Freunde und Verwandten staunen, dass das Fotos der gleichen Stadt sein sollen, in der sie doch letztes Jahr auch waren. An solche Plätze können sie sich gar nicht erinnern, lediglich an ein paar überfüllte Sehenswürdigkeiten..

 

Langsames Reisen schont dein Budget

Noch ein weitere schöne Nebenwirkung deiner neu entdeckten Art zu reisen wird dir bewusst, nachdem du deinen Kassensturz machst. Wie kann es sein, dass du noch so viel Geld deines Budgets übrig hast? Und das, obwohl du doch die ganze Zeit auf Achse warst?

Für die schönsten Momente im Leben muss man eben meist keinen Eintritt bezahlen! Wage doch beim nächsten Mal von vornherein das Experiment „Langsames Reisen“ und lasse mehr auf dich zukommen. Es reicht, eine grobe Vorstellung deines Reiseziels zu haben. Fange an loszulassen und dich treiben zu lassen. Und du wirst sehen, es warten viele schöne Erinnerungen auf dich, die du in deinen Tagträumen wiederbeleben kannst.

Hast du vielleicht selbst schon die Erfahrung gemacht, dass es die ungeplanten Erlebnisse auf einer Reise sind, die dir in Erinnerung geblieben sind? Erzähl uns doch von deinen besonderen Momenten als du dich hast treiben lassen.

Have fun and enjoy! 

Eure Jenny

Von | 2017-08-08T20:11:59+00:00 September 20th, 2015|Reisetipps, Travel|0 Kommentare

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